Mucuna pruriens

Beschreibung

Die Samt- oder Juckbohne (Mucuna pruriens, Dolichos pruriens, Cowhage) ist eine schnellwachsende tropische Kletterpflanze, die eine Höhe von 3 bis 18 Metern erreichen kann. Die Hülsenfrüchte besitzen einen hohen Gehalt an Arzneistoffen, darunter Levodopa (L-Dopa). Mucunabohnen werden traditionell in Ayurveda-Präparaten verwendet, unter anderem zur Behandlung der Parkinson-Krankheit (Kampavata in ayurvedischen Schriften) und anderer Erkrankungen des Nervensystems sowie von Diabetes, Wurminfektionen, Unfruchtbarkeit und Ödemen. Die Menschen in Mittel- und Südamerika mahlen die (gerösteten) Bohnen und trinken sie als Kaffeeersatz („Nescafé“) oder kochen die Bohnen zur Verwendung als Lebensmittel (vor allem M. pruriens var. utilis).

Inhaltsstoffe
Die Mucunabohne enthält Proteine, Kohlenhydrate, Fette, Mineralstoffe und Ballaststoffe sowie eine breite Palette an sekundären Pflanzenstoffen einschließlich (3,1-6,7 %) Levodopa (3,4-Dihydroxyphenylalanin – Vorläufersubstanz des Neurotransmitters Dopamin, wichtig für Motorik, Stimmung, Sexualität, Schlaf, Denken, Verhalten und Motivation), Tetrahydroisochinolin-Derivate (dopaminähnliche Verbindungen mit neuroprotektiven Eigenschaften), psychoaktive Indolalkaloide (einschließlich Serotonin und andere Tryptaminderivate), Noradrenalin, Coenzym Q10, Glutathion, Inosit, NADH (reduziertes Nicotinamid-Adenin-Dinucleotid), Trypsin und Polyphenole.

Wirkung

Anti-Parkinson-Aktivität
Ein wichtiger Anwendungsbereich von Mucunabohnen (-extrakt) ist die Parkinson-Krankheit. Tierexperimentelle Studien und mehrere (Pilot-) Studien am Menschen haben die günstige Wirkung von Mucuna-Extrakt auf diese neurodegenerative Erkrankung nachgewiesen, wobei dopaminerge Regelkreise und dabei insbesondere das für die Motorik wichtige nigrostriatale System beteiligt sind. Eine Dysfunktion der Mitochondrien und oxidativer Stress spielen wahrscheinlich eine zentrale Rolle bei der fortschreitenden Degeneration des nigrostriatalen dopaminergen Systems. Mucunabohnen ( extrakte) können möglicherweise das Fortschreiten der Krankheit verlangsamen, Aufnahme und Wirkung von synthetischem L-Dopa verbessern (sodass die Dosis reduziert werden kann) und das Nervengewebe gegen toxische Wirkungen von (synthetischem) L-Dopa schützen (Neuroprotektion). Mucuna-Extrakt wird in zunehmendem Maße als Alternative zu synthetischem Levodopa eingesetzt. Mucuna-Extrakt wirkt schneller, stärker und länger und hat weniger Nebenwirkungen als synthetisches Levodopa/Carbidopa. Tierversuche haben gezeigt, dass Mucuna-Extrakt die Konzentrationen von Levodopa, Dopamin, Serotonin und Noradrenalin im nigrostriatalen System signifikant verbessert. Neben Levodopa sind weitere (neuroprotektive, antioxidative) Bestandteile für die beobachteten Verbesserungen in den Bereichen motorische Symptome (Tremor, Rigor, Bradykinesie), ADL (Aktivitäten des täglichen Lebens), allgemeines Wohlbefinden, Schlaf und Stuhlgang verantwortlich.

Unterstützung der Fruchtbarkeit bei Männern
Mehrere Studien am Menschen zeigen, dass eine Supplementierung mit Mucuna-Extrakt (5 g/Tag) bei Männern mit eingeschränkter Fruchtbarkeit die Spermienqualität deutlich verbessert, die Blut-spiegel von Testosteron, Dopamin, (Nor-) Adrenalin und LH (Luteinisierendes Hormon) erhöht, die Blutspiegel von Gonadotropin und Prolactin senkt sowie die Konzentration von Antioxidantien (Glutathion und Vitamin C) und antioxidativen Enzymen (Superoxiddismutase, Katalase) im Sperma steigert.

Aphrodisiakum
Der Neurotransmitter Dopamin ist wichtig für die Sexualität. Eine Supplementierung mit Mucuna-Extrakt übt einen positiven Einfluss auf die Libido aus, unter anderem durch Aktivierung der dopaminergen Neurotransmission und Erhöhung des Testosteronspiegels.

Tonikum, stresssenkend, gut für Konzentration und Motivation
Dopamin ist wichtig für die dopaminergen Regelkreise, die eine Rolle bei der Motivation, Konzentration und den emotionalen Reaktionen spielen (mesolimbischer Kreis, orbitofrontaler Cortex). Stress und Schlafmangel können die Dopaminkonzentration im Gehirn reduzieren.

Positiver Einfluss auf Motorik
Mucunabohnen beeinflussen den nigrostriatalen Kreis und zeigen eine spasmolytische Aktivität.

Bekämpfung kognitiven Alterns
Mucunabohnen (-extrakt) wirkt möglicherweise einer kognitiven Alterung durch Abnahme der dopaminergen Neurotransmission entgegen. Bei gesunden Versuchstieren, die ein Jahr lang Mucuna-Extrakt erhielten, stieg die Dopaminkonzentration im Cortex deutlich an.

Antidiabetische Aktivität
Mucuna-Extrakt senkt dosisabhängig die Blutglucosespiegel und wirkt Hyperglykämie bei Diabetes (Typ 1, Typ 2) entgegen. Die maximale hypoglykämische Wirkung (83,6-prozentige Senkung des Blutzuckerspiegels) wurde im Tierversuch mit einer Dosis Mucuna-Extrakt in Höhe von 100 mg/kg/Tag erreicht. Die Verabreichung von Mucuna-Extrakt in einer Dosis von 5 mg/kg/Tag über 12 Wochen führte zu einer Abnahme der Blutzuckerwerte um 55,3 %. Die Wirkung auf den Blutzuckerspiegel war ebenso groß wie die des Sulfonylharnstoffderivats Glibenclamid (5 mg/kg). In einem Tiermodell für Diabetes mellitus führte die Einnahme von Mucuna-Extrakt zur signifikanten Reduktion des Risikos von Polyurie und diabetischer Katarakt. Außerdem hemmte Mucuna-Extrakt diabetesinduzierten Gewichtsverlust.

Antioxidansaktivität und entzündungshemmende Wirkung

Cholesterinsenkende Aktivität

Schutz gegen (Cardio-) Toxizität von Schlangengift
In Nigeria werden Mucunabohnen oral als Prophylaktikum gegen Schlangengift eingenommen (wirksamer Schutz vermutlich erst nach ca. 3-wöchiger Einnahme von Mucunabohnen). Es ist wissenschaftlich nachgewiesen, dass Mucunabohnen gegen die toxische Wirkung des Giftes der Gemeinen Sandrasselotter (Echis carinatus), der Malaiischen Mokassinotter (Calloselasma rhodostoma), des Indischen Kraits (Bungarus caeruleus) und der Javanischen Speikobra (Naja sputatrix) schützen.

Indikationen

  • Parkinson-Krankheit
  • Verminderte Fruchtbarkeit bei Männern
  • Geringe Libido (Aphrodisiakum), erektile Dysfunktion
  • Zur Verbesserung der physischen und psychischen Kondition (Ausdauer, Konzentration, Energie, Motivation und Kraft)
  • Chronischer Stress, Depressionen, Angstzustände
  • Prävention kognitiven Alterns
  • Diabetes mellitus Typ 1 und 2
  • Hyperprolaktinämie
  • Vorbeugender Schutz gegen Schlangenbiss

Kontra-Indikationen

Die Verwendung von Mucuna-Extrakt ist während der Schwangerschaft und Stillzeit kontraindiziert, da Dopamin die Freisetzung des Hypophysenhormons Prolaktin hemmt, das während der Schwan-gerschaft und Stillzeit das Wachstum der Brust und die Milchbildung stimuliert. Mucuna-Extrakt ist für Menschen mit Schizophrenie oder (erhöhter Anfälligkeit für) Psychosen sowie Allergien oder Überempfindlichkeiten gegen Pflanzen der Erbsenfamilie (Leguminosae, Fabaceae) ungeeignet.

Nebenwirkungen

Mucuna-Extrakt wird im Allgemeinen gut vertragen. In einigen Fällen treten Magen-Darm-Be-schwer¬den oder eine Dunklerfärbung der Kopfhaare auf. Der Extrakt ist wahrscheinlich sicher für den langfristigen Gebrauch. Es sind weitere Untersuchungen nötig, um dies genauer festzustellen. Mucuna-Extrakt hat durch die komplexe Zusammensetzung viel weniger Nebenwirkungen (wie beispielsweise Dyskinesien) als synthetisches L-Dopa. Außerdem führt die Einnahme von Mucuna-Extrakt – im Gegensatz zu synthetischem L-Dopa – nicht zu hohen Spitzenwerten des Plasmaspie-gels von L-Dopa.

Interaktionen

Mucuna-Extrakt kann in Kombination mit MAO-Hemmern (Monoaminooxidase-Hemmern) den Blutdruck erhöhen und die Wirkung von Antidiabetika, Blutverdünnern, Anticholinergika und Parkinsonmitteln verstärken. Die Anwendung von Levodopa erhöht den Bedarf an B-Vitaminen einschließlich Folsäure und Vitamin B12. Eine Supplementierung mit Kreatin wirkt L-Dopa-induzierten Dyskinesien entgegen. Weitere Wechselwirkungen sind möglich. Ziehen Sie sachkundige Beratung hinzu.

Dosierung

In Studien nahmen Parkinson-Patienten Dosierungen von Mucuna-Extrakt im Bereich von 15 oder 30 Gramm pro Tag (entsprechend jeweils 500 bzw. 1000 mg von synthetischem L-Dopa) bis maximal 60 Gramm pro Tag ein (wobei die Dosis schrittweise erhöht wurde). Für andere Anwendungen rei-chen niedrigere Dosierungen, zum Beispiel 5 Gramm pro Tag (über 3 Monate) bei Subfertili-tät/Infertilität oder 1-2 Gramm pro Tag zur Verbesserung der physischen und psychischen Kondition. Die Verwendung von Mucuna-Extrakt muss insbesondere bei hohen Dosierungen durch einen Arzt überwacht werden.

Synergie

Synergisten von Mucunabohnen (-extrakt) bei der Parkinson-Krankheit sind L-Tyrosin, L-Tryptophan, 5-HTP (5-Hydroxytryptophan), schwefelhaltige Aminosäuren, Omega-3-Fettsäuren (insbesondere DHA), Withania somnifera, Vitamin-B-Komplex und Antioxidantien wie Vitamin C, Vitamin E, Alpha-Liponsäure und Coenzym Q10.

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