Aktives Folat

Beschreibung

Folat ist eine allgemeine Bezeichnung für eine Gruppe von strukturell verwandten Verbindun-gen mit gleicher Wirkung wie das B-Vitamin Folsäure. Folate kommen natürlicherweise in Le-bensmitteln vor (vor allem in grünem (Blatt-) Gemüse und Obst), haben aber den Nachteil, dass sie recht instabil sind. Vor allem bei der Zubereitung von Speisen ist der Verlust von Fola-ten sehr hoch.

Selbst bei einer optimalen Aufnahme von folatreicher Nahrung ist es schwierig, die empfohle-ne Tagesdosis (RDA) zu erreichen. Die synthetische Folsäure, die nur in Ergänzungsmitteln und angereicherten Lebensmitteln enthalt en ist, ist hingegen sehr stabil und wird vom Körper bes-ser aufgenommen.

Folsäure wird seit Jahren in verschiedenen Ländern den Lebensmitteln zugesetzt. Dies vor al-lem, um Geburtsschäden wie zum Beispiel Neuralrohrdefekte (unter anderem Spina bifida) bei Neugeborenen zu vermeiden. Weiterhin ist ein ausreichender Folatspiegel unter anderem es-senziell wichtig zur Vermeidung von Herz-Kreislauf-Erkrankungen und möglicherweise auch von neuropsychiatrischen Erkrankungen wie Demenz und Depression.

Wirkung

Folatverbindungen bestehen aus 3 Teilen, einem Pteridinring, der an para-Aminobenzoesäure gebunden ist, und einem Rest, bestehend aus Mono- oder Polyglutamat. Bei den natürli-cherweise in der Nahrung enthaltenen Folaten handelt es sich um verschiedene Formen von Polyglutamat und Folsäure, die an die synthetische Form des Monoglutamats anknüpfen.

Unter dem Einfluss des Enzyms Methyltetrahydrofolat-Reduktase (MTHFR) werden Folate und Folsäure im Körper in die aktive Form 5-Methyltetrahydrofolat (5-MTHF) umgewandelt. Diese aktive Folatform wird für den Transfer von 1-Kohlenstoff-Gruppen, den sogenannten Stickstoff-verbindungen, benötigt und ist daher an allen Stoffwechselprozessen des Körpers beteiligt. Somit spielt sie eine wichtige Schlüsselrolle bei der Verstoffwechselung von Aminosäuren, bei Methylierungsprozessen und bei der DNA-Synthese.

Die Umwandlung von Folsäure ist jedoch ein komplexer und langsam ablaufender Prozess, sodass oft ein Teil der Folsäure in ihrer inaktiven Form über längere Zeit im Blutkreislauf zirkuliert. Studien haben gezeigt, dass ein bedeutender Teil der Bevölkerung von einer ineffizienten Wirkung des Enzyms MTHFR betroffen ist, wodurch bei ihnen zu wenig aktives 5-MTHF gebildet wird. Außerdem ist es der Folsäure nicht möglich, die Blut-Hirn-Schranke zu durchdringen, während 5-MTHF als einzige Folatform dazu in der Lage ist, was bei kognitiven und neuropsy-chiatrischen Problemen möglicherweise einen Vorteil darstellt.

Die direkte Einnahme von aktivem Folat vermeidet alle eventuellen Nachteile der Folsäure. Während früher eine Supplementierung von Folsäure-Calciumderivat (5-MTHF-Calcium) emp-fohlen wurde, hat sich inzwischen gezeigt, dass die besten Ergebnisse mit dem Glucosamin-salz der Folsäure (5-MTHF-Glucosamin) erzielt werden. 5-MTHF-Glucosamin bietet die folgenden wesentlichen Vorteile:

  • es besitzt eine viel bessere Bioverfügbarkeit als Folsäure und 5-MTHF-Calcium,
  • es wird direkt von den Körperzellen aufgenommen,
  • es passiert im Gegensatz zur Folsäure genau wie 5-MTHF die Blut-Hirn-Schranke,
  • es verfügt über eine hohe chemische Stabilität,
  • es tritt kein Konflikt mit Coenzym B12 auf,
  • es gilt als sehr sicher.

Indikationen

Schwangerschaft
Während der Schwangerschaft besteht ein erhöhter Folatbedarf, da Folat für die Zellteilung benötigt wird. Ein ausreichender Folatspiegel vor und während der Schwangerschaft ist es-senziell zur Verhinderung von Neuralrohrdefekten, aber er ist auch wichtig zur Verhinderung von anderen Missbildungen.

Fehlgeburten, Frühgeburten und ein zu niedriges Geburtsgewicht (fetale Wachstumsverzöge-rung) können Folgen von Folsäuremangel sein. Eine ausreichende Folsäureaufnahme während der Schwangerschaft ist wichtig für die gesunde Entwicklung des Fetus. Darüber hinaus gibt es Anzeichen dafür, dass ein ausreichender Folatspiegel eine positive Wirkung auf den Blutdruck der Mutter während der Schwangerschaft ausübt.

Herz- und Kreislauferkrankungen
Ein wichtiger und unabhängiger Risikofaktor für kardiovaskuläre Erkrankungen (Atherosklerose, Herzinfarkt usw.) und zerebrovaskuläre Erkrankungen (Schlaganfall) ist ein erhöhter Homocys-teinspiegel im Blut (Hyperhomocysteinämie). Folat ist im Rahmen der Remethylierung von Homocystein zu Methionin am Homocysteinstoffwechsel beteiligt. Ein Folatmangel hat daher einen erhöhten Homocysteinspiegel zur Folge.

Studien zeigen, dass sich das Risiko von kardiovaskulären Erkrankungen, insbesondere von Schlaganfall, deutlich verringert, wenn der Homocysteinspiegel in Richtung Normalwerte sinkt. So wurden zum Beispiel 957 Teilnehmer einer großen deutschen prospektiven Kohortenstudie über 6 Jahre begleitet. Dabei wurde festgestellt, dass bei einem niedrigen Vitamin-B12-Status, insbesondere in Kombination mit einem niedrigen Folatstatus, das Risiko eines Schlaganfalls deutlich erhöht war. Der damit einhergehende Anstieg des Homocysteinspiegels wurde dabei in Zusammenhang mit einer risikosteigernden Wirkung gebracht. Eine Supplementierung mit aktivem Folat, insbesondere in Kombination mit den Vitaminen B6 und B12, kann den Ho-mocysteinspiegel senken.

Neuropsychiatrische Störungen
Vitamin B12 und Folat scheinen beide wichtig für eine gute Gehirnfunktion zu sein. Sowohl B12- als auch Folatmangel werden mit Depressionen, Schizophrenie und Demenz einschließlich der Alzheimer-Krankheit in Zusammenhang gebracht.

Mehreren Studien zufolge besteht eine der Ursachen für Folatmangel in einer Mutation des MTHFR-Gens, wodurch die Synthese des aktiven Folats gestört ist. Die Forschung hat weiterhin gezeigt, dass diese Mutation des MTHFR-Gens bei Menschen mit neuropsychiatrischen Erkran-kungen deutlich gehäuft auftritt. Therapeutische Behandlung mit beiden Vitaminen scheint die Schwere der Symptome bei diesen Störungen zu verringern.

Bei älteren Patienten trifft man relativ oft eine Hyperhomocysteinämie mit einer verstärkten Abnahme der kognitiven Funktionen an, die möglicherweise zu Demenz führt. Ein guter Folatstatus ist dabei genauso essenziell wie ein guter Vitamin-B12-Status. Vor allem bei älteren Menschen sollte daher besonders stark auf einen Vitamin-B12-Mangel geachtet werden und dieser sollte stets im Behandlungsplan berücksichtigt werden.

Folatmangel
Ein Folatmangel oder suboptimaler Folatspiegel können Folgen eines erhöhten Folatbedarfs und/oder einer verringerten Bioverfügbarkeit sein. Diese können aus verschiedenen Gründen auftreten. Beispiele sind: Mangelernährung (Diäten, Essstörungen), Malabsorption (z. B. Zöliakie oder Sprue), Alkohol- und Drogenmissbrauch sowie ein erhöhter Bedarf aufgrund von Krankheit oder Schwangerschaft. Folatmangel gilt als der weltweit häufigste Vitaminmangel, vor allem bei Kindern, Schwangeren und älteren Menschen.

Megaloblastenanämie
Diese Form der Blutarmut, bei der im Knochenmark anormal große rote Blutzellen erzeugt werden, kann durch einen Mangel an Vitamin B12 oder Folat verursacht werden. Im Gegen-satz zu einem Vitamin-B12-Mangel kann ein Mangel an Folat relativ rasch eintreten.

Kontra-Indikationen

Aktives Folat in Form von 5-MTHF-Glucosamin kann sicher angewendet werden. Es liegen Hinweise darauf vor, dass eine Supplementierung von Folsäure ab einer Dosis von 5 mg mög-licherweise zusätzliche neurologische Symptome der perniziösen Anämie verschärfen oder hervorrufen kann. Ob die tatsächlich zutrifft und auch für aktives Folat gilt, ist noch nicht ge-klärt. Bei Vorliegen einer Überempfindlichkeit sollte die Verwendung von aktivem Folat ver-mieden werden.

Nebenwirkungen

Von aktivem Folat sind keine Nebenwirkungen bekannt. 5-MTHF-Glucosamin wird als Quelle von Folat als sicher erachtet.

Interaktionen

Arzneimittel wie Sulfasalazin und Cimetidin, Antazida und NSAR (bei chronischer Anwendung) sowie Antikonvulsiva erhöhen den Folatbedarf aufgrund ihres störenden Einflusses auf den Folatstoffwechsel (Folsäure-Antagonisten). Besondere Vorsicht ist bei Antikonvulsiva geboten, da vermehrt epileptische Anfälle auftreten können.

Dosierung

Die empfohlene tägliche Dosis von 5-MTHF-Glucosamin ist die gleiche wie für Folsäure. Beim Erwachsenen sind dies 300 µg. Vor der Empfängnis und während der Schwangerschaft be-trägt die empfohlene tägliche Dosis 700 µg und in der Stillzeit 400 µg. Bei Kindern bestimmt sich die Dosierung im Verhältnis zum Körpergewicht. Die therapeutische Dosis ist von der Er-krankung abhängig. Die sichere Obergrenze für 5-MTHF-Glucosamin wurde für Erwachsene auf 1800 µg/Tag festgelegt.

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