Die Rolle der Omega-3-Fettsäuren in der Prävention

Montag 14-September-2020


Die Fettsäure Omega-3, die in der Natur in Meeresfrüchten (Algen, Krill, Krustentiere und Fisch) vorkommt, spielt eine wichtige Rolle bei der Regulierung der Entzündungsreaktion, die nach einer Infektion mit Krankheitserregern, einschließlich des Coronavirus, auftritt. Je besser die Entzündungsreaktion reguliert wird, desto geringer ist die Wahrscheinlichkeit, dass die auf die Infektion folgende Krankheit im Falle des Coronavirus COVID-19 schwerwiegend ist. In diesem Artikel werden wir Ihnen erklären, wie dies genau funktioniert.

AA, EPA, DHA

Arachidonsäure (AA), eine mehrfach ungesättigte Omega-6-Fettsäure, Eicosapentaensäure (EPA) und Docosahexaensäure (DHA), beides mehrfach ungesättigte Omega-3-Fettsäuren, sind die Vorläufer einer Reihe von Lipid-(Fett-)Substanzen, die Entzündungsreaktionen regulieren: die Eicosanoide. Es gibt sowohl entzündungsfördernde, proinflammatorische als auch entzündungshemmende, antiinflammatorische Eicosanoide. Die Lipoxine sind die wichtigsten entzündungshemmenden Eicosanoide. AA ist eine Vorstufe der proinflammatorischen Eicosanoide, und EPA und DHA sind Vorläufer der antiinflammatorischen Eicosanoide. Sie sind Teil des Kontrollmechanismus, mit dem sich eine Entzündung selbst unter Kontrolle hält: die Resoleomics.

 

Resoleomics

Resoleomics ist der evolutionäre Mechanismus hinter der Heilung einer Entzündungsreaktion, zum Beispiel nach einer Infektion. Es handelt sich um einen natürlichen, selbstlimitierenden Entzündungsprozess, wodurch die Entzündungsreaktion nicht außer Kontrolle gerät und sich rechtzeitig auflöst. Der Prozess der Resoleomics lässt sich in drei Phasen unterteilen:

Initiationsphase: Die Produktion von pro-inflammatorischen Eicosanoiden bewirkt eine Entzündungsreaktion, um den Erreger unschädlich zu machen.

Lösungsphase: der Wechsel von der Produktion von proinflammatorischen zur Produktion von antiinflammatorischen Eicosanoiden (Eicosanoidschalter), danach nimmt die Entzündung ab.

Endphase: Die Phase, in der entzündungshemmende Eicosanoide die Entzündung auflösen.

Dieser Mechanismus verhindert, dass Immunzellen zu lange aktiv bleiben und dadurch unnötige Begleitschäden verursachen.


Specialized Proresolving Mediators

Im Resoleomics-Prozess spielen auch Specialized Proresolving Mediators (SPMs) eine Rolle. Dabei handelt es sich um Substanzen, die die Entzündungsreaktion unter Kontrolle halten und sie zum Abklingen bringen. SPMs stammen aus unserer Nahrung: Omega-3- und Omega-6-Fettsäuren (EPA, DHA und AA). Sie sind in unsere Zellmembranen eingebaut und können bei einer Entzündungsreaktion aus den Zellmembranen freigesetzt werden. Dann üben sie ihre entzündungshemmende Funktion lokal am Ort der Infektion aus. Die Zusammensetzung der Fettsäuren in der Zellmembran bestimmt den Grad der Entzündung, die im Gewebe auftritt. Wenn eine Zellmembran mehr oder sogar überwiegend Omega-6-Fettsäuren enthält, dann ist die Entzündungsreaktion größer, als wenn eine Zellmembran mehr Omega-3-Fettsäuren enthält. Ein Mangel an Omega-3-Fettsäuren kann dazu führen, dass eine Entzündung nicht ausheilt und unterschwellig vorhanden bleibt oder sogar außer Kontrolle gerät. Ein gestörtes Omega-3/-6-Gleichgewicht stört den natürlichen Prozess der Resoleomics. Wenn der Spiegel der Omega-3-Fettsäuren EPA und DHA im Vergleich zum Omega-6-Spiegel hoch genug ist, kann der Prozess der Resoleomics richtig ablaufen und die Entzündung rechtzeitig aufgelöst werden.

 

Wissen in der Praxis

Sie sehen, wie wichtig ein gutes Fettsäuregleichgewicht ist: Je besser das Verhältnis zwischen Omega-3 und Omega-6, desto besser ist die natürliche entzündungshemmende Wirkung und desto geringer ist die Wahrscheinlichkeit, dass eine Infektion außer Kontrolle gerät oder unterschwellig bestehen bleibt. In Anbetracht der Tatsache, dass Omega-6-Fettsäuren in unserer westlichen Ernährung bereits zu einem großen Teil vorhanden sind und dass der Körper über genügend andere Möglichkeiten verfügt, um gegebenenfalls eine Entzündung auszulösen, ist es sehr wichtig, dass wir über eine ausreichende Menge an Omega-3-Fettsäuren verfügen, um Entzündungen auch wieder beseitigen zu können. Leider erreichen die meisten Ihrer Klienten dies nicht mit der Nahrung, weshalb für viele Menschen eine hochwertige und möglichst natürliche Fettsäurenergänzung notwendig ist, um ihr Fettsäureverhältnis zu optimieren.

 Mögliche Kontraindikationen und/oder Wechselwirkungen mit Medikamenten entnehmen Sie bitte unseren Monographien.

Literatur

Anderson P.,  Delgado M., (2008) Endogenous anti-inflammatory neuropeptides and pro-resolving

lipid mediators: a new therapeutic approach for immune disorders, J. Cell. Mol. Med. Vol 12, No 5B, pp. 1830-1847

Bosma-den Boer, M. Wetten, M-L. Pruimboom, L. (2012). Chronic inflammatory diseases are stimulated by current lifestyle: How diet, stress levels and medication prevent our body from recovering. Nutrition & metabolism. 9. 32. 10.1186/1743-7075-9-32.

Bradbury J, Brooks L, Myers SP. (2012) Are the Adaptogenic Effects of Omega 3 Fatty Acids Mediated via Inhibition of Proinflammatory Cytokines? Evidence-Based Complementary and Alternative Medicine. 2012; 209197

Calder, PC. (2015) Marine omega-3 fatty acids and inflammatory processes: effects, mechanisms and clinical relevance, Biochim. Biophys. Acta 1851 469–484.

Carlson SJ, Fallon EM, Kalish BT, Gura KM, Puder M. (2013) The role of the ?-3 fatty acid DHA in the human life cycle. JPEN J Parenter Enteral Nutr. 2013;37(1):150-192.

McDaniel, J. C., Massey, K., & Nicolaou, A. (2011). Fish oil supplementation alters levels of lipid mediators of inflammation in microenvironment of acute human wounds. Wound Repair and Regeneration, 19(2), 189–200. doi:10.1111/j.1524-475x.2010.00659.x 

Serhan, CN, Fredman G., (2011) Specialized proresolving mediator targets for RvE1 and RvD1 in peripheral blood and mechanisms of resolution, Biochemical Journal Jun 28, 437 (2) 185-197

Serhan, CN. (2017) Discovery of specialized pro-resolving mediators marks the dawn of resolution physiology and pharmacology, Mol. Aspects Med. 58 1–11.

Cookies

Wenn Sie Ihren Besuch dieser Website fortsetzen und Inhalte durch Anklicken öffnen, stimmen Sie damit der Verwendung von Cookies zu. Mit Cookies sammeln wir Daten zu den Aktivitäten von Besuchern auf unserer Website. Mit diesen Daten erhöhen wir den Benutzungskomfort unserer Website und zeigen Ihnen diejenigen Informationen an, die Sie am meisten interessieren. Wenn Sie keine Cookies akzeptieren, können Sie keine Videos ansehen oder Inhalte auf sozialen Medien teilen.  Mehr Informationen.

Eigene Einstellungen für Cookies festlegen